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Logistics of Genocide

Internationale Unternehmen profitieren in ehreblichem Maße an Kriegen und Genoziden. Ein Bericht, der von einer Koalition aus 24 europäischen und palästinensischen Organisationen und Gewerkschaften veröffentlicht wurde, hat finanzielle Beziehungen zwischen hochrangigen europäischen Institutionen und 104 Unternehmen aufgedeckt, die an Israels völkermörderischem Krieg gegen den belagerten Gazastreifen mitschuldig sind.

Als viertgrößter Rüstungsexporteur der Welt gewinnen dabei am Meisten Waffenfirmen, indem sie Rüstungsgüter wie Gewehre, Raketen, Kampfflugzeuge oder Streumunition verkaufen und dadurch steigende Umsätze sowie langfristige Wartungs- und Nachschubverträge erzielen. Logistikunternehmen bereichern sich, indem sie Transport-, Lieferketten- und Infrastrukturdienstleistungen für Militär, Besatzungsmächte oder paramilitärische Gruppen bereitstellen, etwa durch den Transport von Waffen, Treibstoff, Verpflegung oder Truppen in Kriegsgebiete, was ihnen hohe Frachterlöse und staatliche Aufträge einbringt.

Auch (Überwachungs-) Technologie Konzerne füllen ihre Taschen, indem sie Arpartheitsregimen wie Israel wissentlich mit waffenfähigen Unterdrückungstechnologien (einschließlich Spyware, AI Drohnen, und Datenanalyseplattformen) versorgt, die zur Begehung schwerer Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingesetzt werden. Banken und Versicherungsunternehmen profitieren indem sie Kriegsanleihen zeichnen, Risiken für Rüstungsproduzenten versichern, Sanktionen umgehen oder durch die Finanzierung von Ressourcenausbeutung in unterdrückte Gebiete.

Hamburger Hafen: Umschlagplatz für Kriegsverbrechen

Auf keinem Kontinent überqueren Container so viele Landesgrenzen auf so unterschiedlichen Transportwegen wie in Europa. Hamburg als eine der weltweit wichtigsten Logistik-Drehscheiben öffnet den Zugang zu diesem Netzwerk. Jeder dritte Container, der per Bahn durch Deutschland transportiert wird, passiert den Hamburger Hafen. Hier gehen täglich mehrere Tonnen Kriegsgerät und Munition in verschiedene Regionen der Welt.

Über 1000 Container Rüstungsgüter werden jährlich verladen. Bomben, Panzer, Kleinwaffen und Munition, Kernbrennstoffe, Torpedoaufzüge für U-Boote sowie Kriegsschiffe und Ersatzteile gehen über Hamburg u.a. nach Mexiko, Brasilien oder Kolumbien – in Länder, in denen Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Auch Saudi-Arabien und die Türkei erhalten aus Hamburg militärische Waren, mit denen sie unter Anderem in Syrien, im Jemen, bzw. gegen die Kurd*innen Krieg führen. Waffen und Waffenteile verlassen die Stadt jährlich im Wert von 200 bis 400 Millionen Euro über den Seeweg. Zwei bis drei Container davon gehen täglich allein nach Israel.

Deutschland macht sich somit nicht nur durch diplomatische und politische Unterstützung Israels mitschuldig am Genozid an den Palästinenser*innen, vielmehr ermöglichen zahlreiche Deutsche Unternehmen den Völkermord erst. Ohne die Finanzierung durch Deutsche Versicherungsunternehmen und Banken, ohne die Produktion und den Transport von Waffen, Panzern, Munition und ohne Überwachungstechnologien könnte Israel sein koloniales Apartheidsprojekt nicht durchführen.

Norbert Trapp Geschäftsführer der Israelischen Reederei ZIM Germany GmbH, einer der zehn größten Reedereien der Welt benannte den Hamburger Hafen als den bedeutendsten Hafen in Nordeuropa. Zwischen Oktober 2023 und Juni 2025 sind von Deutschland aus, Waffen im Wert von knapp einer halben Milliarde Euro nach Israel exportiert worden. Hamburg - speziell der Hamburger Hafen - spielt in Deutschlands Mittäterschaft am Genozid dabei eine entscheidende Rolle.

Die Verstrickung Hamburgs in Kriege und Völkermorde hat nicht mit Gaza begonnen. Hamburg verbindet eine lange Geschichte der Teilhabe mit dem klassischen europäischen und angloamerikanischen Imperialismus. Die Stadt hat aber auch eine ganz eigene Tradition des Menschen-, Rohstoff- und Sklavenhandels, sowie der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord und Ausbeutung der Länder des Globalen Südens entwickelt. Die hanseatischen Händler-, Reeder- und Industriellen gelten als treibende Kraft, die das Deutsche Reich in den 1880er-Jahren innerhalb weniger Jahre zum flächenmäßig drittgrößten Kolonialherrn nach Großbritannien und Frankreich aufsteigen ließ.

Genozid an Herero und Nama

Hamburg spielte eine zentrale Rolle beim ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts – nicht als Ort der Kampfhandlungen, sondern als logistisches Drehkreuz, wirtschaftlicher Motor und ideeller Rückhalt des deutschen Kolonialverbrechens an den Herero und Nama.

1904 bis 1908 wurde er als Ausgangsort zur Lieferung von Waffen, Soldaten und Siedlern im Völkermord an Herero und Nama genutzt, in dessen Zuge 40.000 bis 60.000 Herero sowie etwa 10.000 Nama getötet wurden. 95 % aller deutschen Truppen und Nachschubgüter wurden über den Baakenhafen verschifft, darunter 19.000 Soldaten

Etwa 70 % des Farmlandes in Namibia ist immernoch im Besitz von weißen, Deutschen Genozid Nachfahren. Die von Adolph Woermann gegründete Reederei Woermann-Linie besaß das alleinige Recht, Truppen und Ausrüstung nach Deutsch-Südwestafrika (dem heutigen Namibia) zu transportieren. Die Handelskammer Hamburg forderte bereits 1883 die Errichtung von Kolonien.

Die Verschiffung der Soldaten war kein geheimer Vorgang. Im Gegenteil: Musikkapellen spielten bei den Abschiedszeremonien auf, und es gab Eintrittskarten für die "Abschiedspartys" an Bord. Der spätere Völkermord war eine öffentlich sichtbare und in der Presse diskutierte Angelegenheit.

Die Universität Hamburg wurde 1908 als "Kolonialinstitut" gegründet. Schädel von Opfern gelangten nach Hamburg, um dort "wissenschaftlich" die rassistische Ideologie zu untermauern. Noch heute befinden sich Gebeine von Opfern des Genozids in Hamburger Sammlungen, darunter der Schädel eines Nama-Häuptlings.

Ohne die Infrastruktur der Hansestadt wäre die Niederschlagung des Aufstands militärisch nicht möglich gewesen. Der Baakenhafen in der heutigen HafenCity war die zentrale Rampe für die "Schutztruppe" unter General Lothar von Trotha.

Obwohl Hamburg tief in diese Geschichte verstrickt ist, ist das Erbe im Stadtbild oft unsichtbar oder unkommentiert. Zum Beispiel hängt in der Hauptkirche St. Michaelis (Michel) eine Gedenktafel für die gefallenen deutschen Soldaten der Kolonialkriege. Die namibischen Opfer blieben unerwähnt. Historiker fordern hier ein "Gegen-Denkmal".

Hitlers Tor zur Welt des Nationalsozialismus

Hamburg galt zu Zeiten des Nationalsozialismus neben Berlin, München, Nürnberg und Linz als eine von nur fünf sogenannten "Führerstädten", die besonders hervorgehoben werden sollten. Hitler kam gerne in die Stadt, um die Kriegschiffe wie die "Bismarck" oder die "Wilhelm Gustloff" der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss, einzuweihen. Er hatte große Visionen für Hamburg. Für ihn war Hansestadt die deutsche Antwort auf New York und er betrachtete sie als "nationalsozialistisches Tor zur Welt".

Unter der Leitung des Architekten Konstanty Gutschow (SA-Mitglied und später NSDAP-Mitglied) entstanden Pläne von amerikanischem Ausmaß:

  • Ein 250 Meter hohes Gauhochhaus am heutigen Bahnhof Altona – das höchste Europas.
  • Eine gigantische Hängebrücke über die Elbe mit 180 Meter hohen Pfeilern, angelehnt an die Golden Gate Bridge.
  • Ein Aufmarschplatz für 100.000 Menschen, eine Volkshalle für 50.000 und ein Hotel für 2.000 Gäste.

Die Baukosten waren mit 1,6 Milliarden Reichsmark veranschlagt. Allein in St. Pauli hätten 40.000 Menschen ihre Wohnungen verloren. Für die Produktion der notwendigen Klinkersteine wurden im KZ Neuengamme Tausende Häftlinge zu Tode geschunden. Viele seiner Mitarbeitern wurden nach dem Krieg in der Hamburger Stadtplanungsbehörde angestellt und Gutschows Generalbebauungsplan für Hamburg dienten nach dem Krieg als Grundlage für den Wiederaufbau.

Das Stadthaus - Herzstück der NS-Verfolgung

Das Herzstück der NS-Verfolgung in Hamburg war das Stadthaus. Das Gebäude zwischen Neuer Wall und Stadthausbrücke war nicht nur das Hauptquartier der Gestapo, sondern der gesamten Hamburger Polizei. Dadurch wurde es zu einer der mächtigsten Terrorzentralen der NS-Zeit. Bereits ab März 1933 wurden hier politische Gegner, Sozialdemokraten und andere "Feinde" des Regimes inhaftiert. Im Keller gab es spezielle Räume für "Verhöre", die in Wahrheit brutale Folterkammern waren. Die Verfolgung von Sinti und Roma, Homosexuellen und als "Berufsverbrecher" Gebrandmarkten wurde hier von der Kriminalpolizei bürokratisch organisiert.

Der Hafen als Schlüssel zur Herrschaft über den Welthandel

Im Hafen sah Hitler den Schlüssel zur Herrschaft über den Welthandel. Reeder wie die Woermann-Linie machten Geschäfte mit der NS-Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" (KdF) und dem Transport von Zwangsarbeitern, die als "Ostmaterial" wie Ware geordert wurden. Das Hab und Gut von deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden wurde im Hafen zwischengelagert. Über 100.000 Hamburger*innn profitierten, indem sie diese Gegenstände ersteigern konnten. Die großen jüdischen Reeder, wie die Familien Bernstein, Blumenfeld und Borchert, wurden hingegen verhaftet, enteignet und zur Emigration gezwungen.

Am 16. Mai 1940 verhaftete die Polizei im gesamten Norddeutschland etwa 1000 Sinti und Roma. Sie wurden in den Fruchtschuppen C im Hamburger Freihafen gesperrt – einen Ort, der heute im modernen Überseequartier liegt, aber als zentraler Tatort des Völkermords gilt.

Hamburgs Rolle als Rüstungsschmiede

Der Bunker U-Boot-Bunker "Fink II" auf Finkenwerder war 200 Meter lang, hatte eine 3,5 Meter dicke Betondecke und bot Platz für 15 U-Boote. Er wurde ab 1941 von der Deutschen Werft AG gebaut. Für den Bau und den Betrieb mussten 600 Häftlinge aus der Sowjetunion, Polen, Frankreich und Dänemark unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. Dafür gab es auf dem Werftgelände ein spezielles Außenlager.

Hamburg war nicht nur ein zentraler Ort der Machtinszenierung, sondern auch Laboratorium für rassistische Stadtplanung, ein Zentrum der Rüstungsproduktion mit Zwangsarbeit und ein Hauptquartier des Terrors.

Hamburg und die Vernichtung Gazas

Und wieder bereichert sich Deutschland an einem Genozid und wieder spielt der Hamburger Hafen dabei eine tragende Rolle.

Seit dem 7. Oktober hat das Israelische Militär mithilfe von in Deutschland produzierten Waffen, Geldern und Überwachungstechnologien über 70.000 Palästinenser*innen getötet, eine von drei der Getöteten waren Kinder. 172.445 Menschen wurden verletzt. Mindestens 2.2 Millionen wurden vertrieben.

Gaza: Jabalia-refugee

88 % der gesamten Fläche Gazas wurde zerstört, darunter 102,000 Gebäude und 330,500 beschädigte Hauseinheiten.

Ausweitung auf Libanon und Iran

Seit Beginn der Israelischen Offensive am 2. März 2026 versucht Israel seine Allmachtsfantasien nun auch im Libanon und im Iran umzusetzen. Die Zahl der Getöteten im Libanon wird jetzt schon auf etwa 2.618 Menschen geschätzt, 8.000 Verletzte und mit über 1,6 Millionen Vertriebenen mussten etwa 20 % der Gesamtbevölkerung des Libanons ihre Heimat bereits verlassen.

Quelle: https://www.spiegel.de/ausland/krieg-im-nahen-osten-wie-israels-offensive-im-libanon-eine-massenflucht-nach-syrien-ausloest-a-c52c0efc-3434-4c2e-a2c6-b431d5adaa53

Im Iran wurden seit den Militärangriffen der USA und Israels mehr als 3.750 Menschen getötet. Dies ist kein Versuch, das Iranische Volk von seiner unterdrückerischen Regierung zu befreien. Die Bomben treffen sowohl die Zivilbevölkerung als auch die revolutionäre Iranische Befreiungsbewegung. Vielmer ist die Iranische Bevölkerung nun auf der einen Seite gefangen zwischen den sogenannten Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), die ihre eigene Bevölkerung täglich foltern und hinrichten lässt (nach landesweiten Protesten sind im Januar 2026 mindestens 16.000 Menschen getötet worden*) und die mit ihrer Unterstützung des Assad Regimes zahlreiche Massaker an syrischen Zivilist*innen begangen hat und auf der anderen Seite dem israelischen und US-amerikanischen Militärschlag, der darauf ausgerichtet immer mehr Macht über Ressourcen, Land und Menschen zu erlangen.

Es gibt sehr wenig Fotos und Videos aus dem Iran, weil die IRGC (Iranian Revolutionary Guard Corps) immer wieder den Zugang zum Internet lahm legt.

Logistics-of-Genocide

Die Map soll dazu dienen, Deutsche Verstrickungen in Krieg, Genozid und Apartheid der in Hamburg ansässigen Logistik-, Waffen-, Überwachungs- und Versicherungsunternehmen aufzudecken und deren Mittäterschaft sichtbar zu machen. Der Krieg fängt hier vor unserer Haustür an. Gemeinsam schauen wir hin.

https://www.cambridge.org/core/journals/central-european-history/article/hamburg-free-traders-and-the-business-of-empire-18971941/62A77D08F7D8C64A87920A16F70E9DC7

https://www.presstv.ir/Detail/2025/11/26/759519/DBIO-financial-relationships-European-institutions-Israel-genocidal-war-Gaza-Strip?ht-comment-id=29968681

https://bdsmovement.net/news/new-dbio-report-finds-european-financial-sector-directly-funding-companies-implicated-israel%E2%80%99s

https://paxforpeace.nl/news/european-financial-institutions-invest-billions-in-arms-companies-that-sell-weapons-to-israel/?utm

https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/literatur/shortlist-des-deutschen-wirtschaftsbuchpreises-wie-hamburger-patrizierfamilien-die-deutsche-kolonialgeschichte-praegten/29392166.html

https://www.ndr.de/geschichte/Hamburgs-Mitverantwortung-am-Voelkermord-in-Namibia,postkolonial102.html

https://kolonialismus.blogs.uni-hamburg.de/2021/12/23/die-handelskammer-hamburg-als-kolonialer-erinnerungsort/

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/hamburgs-koloniales-erbe-man-koennte-den-bismarck-auf-den-kopf-stellen-a-07489b64-b70c-4c17-862e-d1535028026b

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1084590.herero-und-nama-erdrueckendes-erbe-hamburgs.html

https://www.connections.clio-online.net/index.php/conferencereport/id/fdkn-126398?title=confronting-the-colonial-past-askari-lettow-vorbeck-and-hamburg-s-entangled-post-colonial-legacies&recno=76&page=4&q=&sort=&fq=&total=683

https://www.fr.de/wirtschaft/hamburg-verdraengt-seine-rolle-im-kolonialen-genozid-an-herero-und-nama-94218032.html

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1084590.herero-und-nama-erdrueckendes-erbe-hamburgs.html

https://www.focus.de/wissen/mensch/das-ns-tor-zur-welt-hitlers-gigantische-plaene-mit-der-hansestadt-hamburg_c955024e-baf7-4017-817c-62bd5eb1d5a2.html

https://www.ndr.de/geschichte/schauplaetze/hamburger-stadthaus-polizisten-als-taeter-beim-nazi-terror,stadthaus137.html

https://www.mopo.de/hamburg/lost-place-an-der-elbe-an-diesem-ort-in-hamburg-kam-es-zur-katastrophe-37815982/

https://www.gedenkstaetten-hamburg.de/de/veranstaltungen/termin/die-deportationen-von-sinti-und-roma-aus-hamburg-waehrend-des-nationalsozialismus

 https://www.ndr.de/geschichte/schauplaetze/Hitlers-Hafen-So-waren-die-Plaene-der-Nazis-fuer-Hamburg-,hitlershafen101.html

https://www.amnesty.org/en/location/middle-east-and-north-africa/middle-east/iran/


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